Neuigkeiten des Weiterbildungsinstituts Rhein-Ruhr

Die einzige Konstante im Leben ist der Wandel

Lothar KuschnikDieses Motto unseres Instituts bewahrheitete sich auch im Prozess, der durch die Corona-Pandemie im März 2020 angestoßen wurde. Präsenzseminare waren nicht mehr möglich, und so habe ich unser Aus- und Weiterbildungsangebot in ein Zoom-basiertes Online-Angebot umgestellt. Darüber hinaus wurden alle Theorieinhalte für die Psychoonkologie-Ausbildung auf unsere eigene E-Learning Plattform übertragen, die eigens ins Leben gerufen wurde.

Gemeinsam mit meinem Sohn Benjamin, einem Medienprofi, habe ich für die Psychoonkologie-Weiterbildung Filme gedreht, die jetzt auch für die AbsolventInnen auf der Plattform zu finden sind. Überhaupt ist die E-Learning-Plattform jetzt im weiteren Aufbau. Auch die beiden Supervisionsgruppen haben einen Zugang erhalten und können so viel Theoriematerial, Podcasts und Übungen einsehen, anhören und benutzen.

Ein Highlight für mich war im Sommer 2020 ein 13 tägiges Gestaltintensivseminar mit der Ausbildungsgruppe aus dem MBBS Kurs und weiteren Teilnehmerinnen. Alles ist möglich, was wir aus der klassischen Gestalttherapie kennen: Hot seat Arbeit, kreative Medien, Theorievermittlung und Selbsterfahrung. Für mich und die Gruppe ein tolles Erlebnis.

Durch diese und andere Erfahrungen in meiner Praxis, die ich nur noch online betreibe, angeregt, habe ich mich entschlossen nur noch im Online-Bereich zu arbeiten. So findet im WiR-Institut ein Konzentrationsprozess statt. Angeboten werden die beiden fortlaufenden Supervisionsgruppen. In Gruppe zwei und Gruppe ein sind für das Jahr 2023 Plätze frei. Die Gruppen wird im Jahr 2023 als „Hybrid-Gruppe“ angeboten. Das heißt: zwei Seminare im Online-Format und zwei Seminare in Präsenz mit Online Teilnahmemöglichkeit.

Angeboten wird auch die Psychoonkologie Online Reihe mit einer Ausbildungsgruppe pro Jahr. Im Oktober 2022 beginnt die vierte Gruppe. ( Es sind Stand Juli 2022 noch Plätze frei.) Die Teilnehmerinnen schätzen an der Online Weiterbildung die große zeitliche Flexibilität und die Verfügbarkeit der Podcasts und sonstigen Studienmaterialien sehr.

Im Juli 2022 findet unter der Leitung von Annette Gertdenken ein sehr interessantes Seminar mit dem Titel: „Yoga trifft Gestalt“ als Präsenzseminar in der Kolpingbildungsstätte in Coesfeld statt.

Diese Konzentration bedeutet auch den Abschied von vielen wertvollen und kompetenten Trainerinnen und Trainern. Das war schmerzlich.
Meine Wünsche für Ihr Wohlergehen begleiten sie auch weiterhin.
„Wenn der Wind des Wandels weht bauen die Einen Mauern, die Anderen Windmühlen.“

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Artikels, den Mut und die Kraft den Wandel zu gestalten.

Herzlich
Lothar Kuschnik, Leiter WiR-Institut

Lothar Kuschnik im Interview

Interview mit Lothar Kuschnik vom 18.10.2022 zum Thema „Begegnung mit einer Krebserkrankung“ auf dem Youtube-Kanal der Cella Sankt Benedikt (externer Link)

Interview mit Lothar Kuschnik

Mazel tov, lieber Arno!

Unsere Toten sind nicht abwesend,
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
In unsere Augen voller Trauer.
(Hl. Aurelius Augustinus)

Arno Paschmann ist am Karsamstag, den 16. April 2022 verstorben.
Wir trauern um ihn und gedenken seines Wirkens.
Er ist der Mitbegründer dieses Instituts, das er über zwanzig Jahre geleitet hat.
Er ist durch die Arbeit in diesem Institut und in seiner Praxis für viele Menschen ein Leitstern in ihrem Leben geworden. Wir wissen uns in der Trauer mit vielen verbunden.

Arno hat das Leben geliebt, er hat seine Familie geliebt, er war unglaublich stolz auf sie und besonders auf das letzte große Geschenk, das Gott ihm gemacht hat: seine Urenkelin Amilia. Das letzte Foto, das ich von ihm bekommen habe: der stolze Urgroßvater mit Amilia auf dem Arm. Für Arno ein Fingerzeig, dass das Leben weitergeht und die Liebe bleibt.
„Wenn ich lebe, will ich leben“ war Arnos Wort in unserem letzten Telefonat eine Woche vor seinem Tod. Arno war ein Kämpfer. Mit welchem Mut und welcher Tapferkeit er seine gesundheitlichen Herausforderungen angegangen ist, habe ich immer bewundert. Es erinnert mich an den Satz von Victor Frankl, der den Sinn des Lebens so beschreibt: Der Welt schöpferisch etwas geben, lieben und menschliches Leiden in einen Triumpf verwandeln. Frankl wusste, wovon er sprach. Er hatte als Psychiater das Konzentrationslager überlebt und ein Buch mit dem Titel geschrieben „Und trotzdem Ja zum Leben“.

Arno hat der Welt schöpferisch viel gegeben und sich durch Krankheit niemals unterkriegen lassen. Für seine Schülerinnen und Schüler, seine Klientinnen und Klienten hat er mit ganz viel Liebe und Mühe unzählige Texte zusammengestellt. Zusammen haben wir das Buch „Therapie in Aktion“ geschrieben. Arno war gern Lehrer. In seinen Seminaren haben Menschen eine Orientierung für ihr Leben gefunden, in seinen Einzeltherapien hat er Menschen ein Haus für Ihre Seelen angeboten. Und Arno war ein guter Erzähler. Er konnte mit seinen Schilderungen für Menschen neue Wege entstehen lassen, die sie selbst nicht mal geahnt haben. Arno liebte Geschichten und erzählte sie gern in seinen Gruppen. Besonders Mullah Nasrudin, eine Art arabischer Til Eulenspiegel, hatte es ihm angetan. Eine Geschichte geht so:

Jeden Tag ging Nasruddin mit seinem Esel über die Grenze, die Lastkörbe hoch mit Stroh beladen. Da er zugab, ein Schmuggler zu sein, durchsuchten ihn die Grenzwachen immer wieder. Sie machten Leibesvisitationen, siebten das Stroh durch, tauchten es in Wasser und verbrannten es sogar von Zeit zu Zeit. Nasruddin wurde unterdessen sichtlich wohlhabender.
Schließlich setzte er sich zur Ruhe und zog in ein anderes Land. Dort traf ihn Jahre später einer der Zollbeamten. „Jetzt könnt ihr es mir verraten, Nasruddin.“ sagte er. „Was habt ihr damals bloß geschmuggelt, als wir euch nichts nachweisen konnten?“.
„Esel.“ sagte Nasruddin.

Arno hat das Leben geliebt und durch seine intensive Selbsterfahrung zur Vorbereitung auf seinen Therapeutenberuf begriffen, dass die einzige Konstante im Leben der Wandel ist. Dieses Wort ist das Motto für sein Weiterbildungsinstitut geworden. Arno hatte keine Angst vor Veränderungen. Als er 2008 seine Zelte gemeinsam mit seiner geliebten Frau Gertrud auf der Insel Lanzarote aufschlug, wussten beide nicht für wie lange Zeit sie dort bleiben wollten. Es wurden 13 erfüllte Jahre mit vielen neuen Freunden auf der Insel. Arno und Gertrud haben für mich das Wort „Gast-freundschaft“ neu definiert. An Ihrem Tisch war immer ein Platz für einen neuen Gast.

Arno war ein spiritueller Mensch, der Antworten auf die wesentlichen Fragen unseres Woher und Wohin in dieser Welt gesucht und für sich gefunden hat. Er ist aus seiner katholischen Glaubensheimat in die Welt gegangen. Dabei hat er dieses Glaubenshaus nie ganz verlassen, er hat nur einige Zimmer in diesem Glaubenshaus neu eingerichtet. Sein Glaube ist mit ihm gewachsen. Arno hat nicht den Fehler vieler Menschen gemacht, ihren Kinderglauben zu behalten und sich dann zu wundern, dass er mit ihrem erwachsenen Verstand nicht mehr zusammenpasst. So sind alle Bilder von Gott in diesem Kinderglauben entstanden. Das Wesen Gottes lässt sich aber nicht im Bild vom alten Mann mit dem Bart im Himmel einfangen. Arnos Glaube ist erwachsen geworden. In seinem Glaubenshaus gab es verschiedene Zimmer. Angeregt durch unseren gemeinsamen Lehrer Wolf Büntig und andere hat Arno in religiösen Traditionen geforscht und Antworten für sich gefunden. Gott ist die Liebe, Gott ist die Einheit des Mannigfaltigen. Gott ist in uns und wir in ihm. „Leben kann nicht Sterben – im Einen sind wir zeitlos miteinander und mit allen Wesen verbunden, so wie das Wasser des Ozeans alle Wellen verbindet,“ sagt der Benediktiner Pater und Zen Meister Willigies Jäger. Sein Glaube hat Arno getragen und ist ganz lebenspraktisch geworden.

Lebe dein Sterben, so hat Arno den Fokus seines Leben auf das Hier und Jetzt gelegt. „Wenn ich lebe, will ich leben!“.
„Wenn wir wirklich lebendig sind, ist alles, was wir tun oder spüren, ein Wunder. Achtsamkeit zu üben bedeutet, zum Leben im gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren,“ sagt der buddhistische Mönch Tich Nhat Hanh, von dem Arno viel gelernt hat. Sein Glaube hat Arno auch ein Bild vom Leben „danach“ geschenkt. Er konnte dieses Leben loslassen, weil er geglaubt hat, dass seine Seele in das Haus Gottes einzieht. „Der Körper ist in der Seele“, sagt Meister Eckhardt. Das heißt, wir sind die Verkörperung eines göttlichen Lebensstrahls, das ist unser Wesen. In unserem Wesen wird Göttliches manifest in der Welt, sagt Carlfried Graf Dürckheim. Er unterscheidet zwischen Wesen und Charakter. Unser Charakter ist das Geprägte in uns, ist der äußere Lothar oder Arno. In unserem Wesen sind wir mit Gott verbunden. Dieser Gedanke kann uns jetzt trösten, weil dann unsere Verbindung zu Arno bleibt.

Trauer ist so individuell wie ein Fingerabdruck und jede und jeder hier wird seinen Trauerweg mit Arno auf seine und ihre eigene Art gehen. Dabei werden wir manchmal von einem Augenblick zum anderen aus dem Haus der Trauer ins Haus des fröhlichen Lebens gehen und umgekehrt. Vielleicht können wir uns manchmal fragen: „Was würde Arno dazu sagen?“.

So bleibt er lebendig in unseren Herzen.
Wenn wir von ihm erzählen, bleibt er lebendig in unseren Gedanken.
Wenn wir zu Gott beten, sind wir ihm verbunden jenseits von Raum und Zeit. Ich weiß „unseren Arno“ in Gottes Liebe geborgen, das kann trösten und die Angst vor dem Morgen wird vergehen.

Mazel tov, lieber Arno.

Lothar Kuschnik